Seismotektonische
Untersuchungen im Gebiet des Lake Magadi, Kenia
- Zusammenfassung der Diplomarbeit -

Physische
Übersicht von Ostafrika.
Die
Diplomarbeit beschäftigt sich mit der Seismotektonik des Lake
Magadi-Gebietes im südlichen Gregory Rift, Kenia (schwarz
umrandet in obiger Abbildung). In einer achtmonatigen Meßkampagne
wurde ein Netz aus seismologischen Meßstationen installiert.
Im Zeitraum November 1997 bis Juni 1998 wurden über 5500 Beben
aufgezeichnet, von denen 1174 im Arbeitsgebiet lokalisierbar
sind. Neben einer gleichmäßigen Verteilung der Epizentren über
das Gebiet konnte vor allem ab Mai 1998 eine starke Schwarmaktivität
nördlich des Lake Magadi festgestellt werden. Die Schwärme bilden
ein Bebencluster mit linearer NNE-SSW-Erstreckung in direkter
Verlängerung des Sees (siehe unten). Die Hypozentren des Clusters
konnten mit Tiefenlagen zwischen 0 km und 9 km bestimmt werden.
Im Profil bilden sie eine steil nach WNW einfallende Ebene.
Die Hypozentren der übrigen Beben im Gebiet liegen in Tiefen
zwischen 7 km und 27 km. Die gemessenen Magnituden decken den
Bereich bis ML=4.1 ab. Magnituden größer als 3.5
kommen ausschließlich im Cluster vor. Hier führte ein stärkeres
Beben im Mai 1998 zur Ausbildung eines Bruchs an der Oberfläche,
der das gleiche Streichen wie das Cluster aufweist und an dessen
östlicher Seite liegt. Für das Cluster konnte eine Epizentrenwanderung
von Süden nach Norden während der Monate Mai und Juni 1998 nachgewiesen
werden.

Stationsnetz
im Magadi-Gebiet und ausgewählte Epizentren aus dem Zeitraum
Nov.`97 - Jun.´98.
Mit
einem reduzierten Datensatz von gut lokalisierten Beben wurden
unter Zuhilfenahme von AP/AS-Amplitudenverhältnissen
und s-Polarisationswinkeln Herdflächenlösungen durchgeführt.
Für das gesamte Arbeitsgebiet wurden 96 Einzellösungen, für
das Cluster 2 kumulative Lösungen erstellt. In die kumulativen
Herdflächenlösungen flossen die Daten von insgesamt 230 lokalisierten
Beben ein. Die meisten Streichrichtungen der Herdflächen liegen
zwischen 0° und 30°, mit einem Maximum bei 10-20° (siehe unten).
Untergeordnet treten die durch präkambrische Lineamente vorgegebene
NNW-Richtung (160-170°), sowie die senkrecht zur Riftachse streichende
E-W-Richtung (um 90°) auf. Die Extensionsrichtung wurde durch
die Lage der T-Achsen mit ca. 100-105° (WNW-ESE) bestimmt und
ist damit senkrecht zum Streichen der meisten Störungen ausgerichtet.
Die Herdmechanismen zeigen überwiegend Abschiebungen und Vertikalverwerfungen.
Die P-Achsen tauchen daher meist steil ab, während die T-Achsen
annähernd horizontal liegen. Die kumulative Herdflächenlösung
des Clusters (siehe unten) zeigt eine NNE streichende, mit 65°
nach WNW einfallende Fläche mit Abschiebungscharakter. Die Verschiebung
auf der Fläche erfolgt nach Westen (270°).

Verteilung
der Herdflächenlösungen im Magadi-Gebiet in Form von sog. “Beachballs”.
Schwarz bedeutet Kompression, weiß Dilatation im Erstausschlag
der p-Welle.

Kumulative
Herdflächenlösung für das Bebencluster nördliche des Lake Magadi.
Schwarze Punkte stehen für Kompression, rote Kreise für Dilatation.
Die P- und T-Achsen sind im Diagramm grün dargestellt.

(A)
Verteilung der Spannungsachsen (Wulf-Netz) im Magadi-Gebiet,
ermittelt aus Herdflächenlösungen.
(B) Resultierende Extensionsrichtung (mittlere Lage der T-Achsen).
(C) Vorherrschende Streichrichtungen der Herdflächen. (D) Verteilung
der Dislokationsvektoren (Wulf-Netz).
Aufgrund
der tiefen Hypozentrenlagen im Süden des Arbeitsgebietes wird
auf eine nach Süden abtauchende Übergangszone zwischen spröder
und duktiler Kruste geschlossen. Die cut-off depth liegt danach
im Norden des Magadi-Gebietes bei 15-17 km, im Süden bei 20-22
km. Zum Vergleich wird ihre Lage am Lake Bogoria bei etwa 14
km vermutet.
Die
Kruste unterhalb des Bebenclusters (> 9 km) scheint frei
von Beben zu sein. Die cut-off depth steigt dadurch unter dem
Lake Magadi stark an und bildet eine lokale Aufwölbung. Die
Ergebnisse einer parallel angefertigten 3D-Tomographie zeigen
eine Zone erhöhter vP-Geschwindigkeit unterhalb des
Lake Magadi, in einer Tiefe zwischen 3 km und 10 km. Diese Ergebnisse
deuten auf die Platznahme eines Materials höherer Dichte hin,
das seinen Ursprung im oberen Erdmantel haben könnte. Unterhalb
10 km könnte dieses Material noch duktile Eigenschaften besitzen,
was die Abwesenheit von Beben erklärt. Oberhalb 10 km muß es
bereits erstarrt sein und bewirkt die positive Geschwindigkeitsanomalie.
Die Anomalie hat vermutlich die Ausmaße eines Dykes, der sich
an den tektonischen Strukturen des Magadi-Gebietes orientiert
und unter dem Lake Magadi liegt. Durch aktiven Druck von unten
wurden vermutlich die Bebenschwärme ausgelöst. Im Nordteil des
Lake Magadi zirkulieren Fluide, die im Flachbereich (0-3 km)
die vP- und insbesondere die vS-Geschwindigkeit
herabsetzen und den Spannungsaufbau verhindern. Hiermit kann
das scharfe südliche Abschneiden des Bebenclusters am Nordrand
des Lake Magadi erklärt werden. Der Focus des Spannungsaufbaus
wird am Nordrand des Lake Magadi vermutet.